Riggerauswahl, Vorbereitungen auf eine Fessel-Session, Anatomie, Gefühlserleben, Gefahren, Know-How –> Ein Text speziell an Ropebottoms, -bunnys, -models aber auch an Rigger!

(Wenn in diesem Text von DER Rigger gesprochen wird, geschieht dies unter Verwendung des generischen Maskulinum)

Viele Menschen haben den Wunsch sich fesseln zu lassen. Manche kickt dabei das Gefühl der Wehrlosigkeit, andere finden es einfach ästhetisch und wieder andere lassen sich aus sportlichem Ehrgeiz fesseln. Manche möchten überwältigt werden, mögen es wenn die Fesselung stramm, restriktiv und vielleicht sogar schmerzhaft ist. Andere mögen es ruhiger, meditativ und sinnlich. Viele mögen beides.

Die Intentionen, warum man sich fesseln lassen möchte, können sehr vielfältig sein, aber es ist wichtig, dass man sich selbst Gedanken dazu macht, warum und wie man gefesselt werden möchte, damit man einen passenden Fesselpartner findet. Es ist wichtig dem Fesselpartner zu kommunizieren was man mag, gut aushalten kann und was eher nicht. Nur so kann eine Fessel-Session erfolgsversprechend und erfüllend für beide sein, denn nur so findet man eine Ebene auf der sich beide sicher und wohl fühlen. Das gleiche gilt natürlich auch für Rope-Tops, sie sollten ebenfalls kommunizieren was sie möchten, können, mögen und womit sie sich wohl fühlen.

Zunächst einmal: Jeder kann gefesselt werden. Ausnahmslos jeder! Manchmal müssen Fesselungen adaptiert werden, aber jeder Mensch egal wie groß oder klein, dick oder dünn, ob mit Handicaps oder ohne, sogar mit fehlenden Extremitäten oder Spastiken KANN gefesselt werden. Ein Rigger, der euch sagt, dass ihr zu dick, zu dünn, oder sonst was seid, hat offenbar nicht die Courage euch zu sagen, dass ihr ggf. nicht seinem persönlichen Geschmack entsprecht und erzählt ansonsten einfach nur Blödsinn. Es ist überhaupt kein Problem zu sagen, dass man sich als Rigger nicht wohl damit fühlt Person X zu fesseln, weil man nicht weiß wie man mit Statur/ Handicap o.ä. umgehen soll, es ist auch kein Problem jemanden nicht fesseln zu wollen, weil man Person X nicht attraktiv/ansprechend/sympathisch findet. Nur kann man das so kommunizieren, statt dem Ropebottom das Gefühl zu geben, unzulänglich zu sein oder fesseluntauglich.

Als Rope-Bottom, Rope-Model, Rope-Bunny (es gäbe hier noch viele weitere aufzuzählende Bezeichnungen) ist es außerdem wichtig, dass man dem Fesselpartner mitteilt, welche körperlichen Erkrankungen und Einschränkungen man hat. Notfallmedikamente (z.B. bei Diabetes, Asthma oder einem Herzleiden) sollten stets griffbereit sein. Ebenso sollte ein Schneidwerkzeug für den Notfall parat liegen, mit dem der Rigger deine Fesselung im Zweifel aufschneiden kann. Dieses Schneidwerkzeug sollte von dem Rigger bereits getestet worden sein, damit er im Notfall damit umgehen kann. Denn niemand wird in einer Notfall-Situation ruhig, besonnen, schnell und routiniert mit einem Schneidewerkzeug umgehen können, dessen Funktion noch nie erprobt wurde.

Auch Medikamente die regelmäßig/ am Tag der Fesselung eingenommen werden/wurden sollten mitgeteilt werden. Manche Medikamente erhöhen die Blutungsneigung, senken den Blutdruck, verändern die Schmerzwahrnehmung oder die psychische Konstitution. Bei Gelenkerkrankungen, Rückenleiden oder Narben sind unter Umständen Vorsichtsmaßnahmen beim Fesseln zu treffen. So sollten künstliche Gelenke besonders ergonomisch und vorsichtig und nicht ruckartig oder überstreckt bewegt werden. Bei Schulterleiden muss eine besonders ordentliche Oberkörperfesselung angelegt werden und die Hände müssen unter Umständen vor dem Körper (statt auf dem Rücken) oder tief im Rücken gehalten werden. Bei einem Rückenleiden (z.B. Bandscheibenvorfall in der Anamnese), sollten Positionen die ein Hohlkreuz forcieren vermieden werden.

Vor einer Fessel-Session sollte man ausreichend gegessen und getrunken haben (nicht unmittelbar davor, aber auch nicht zuletzt vor 8 Stunden). Auch ein ausgeschlafener Zustand reduziert die Gefahren von körperlichen Schäden, denn ein ausgeschlafener Körper ist belastbarer als ein übermüdeter.

Sich vor einer Fessel-Session aufzuwärmen kann außerdem sinnvoll sein. Vor allem die Schultergelenke und die Halsmuskulatur sind so geschmeidiger und schmerzen weniger schnell. Auch Krämpfe in den Beinen können so unter Umständen vermieden werden. (Ich schreibe „Unter Umständen“ da der Nutzen von Aufwärm- und Dehnübungen vor sportlicher Belastung wissenschaftlich umstritten ist).

Man sollte sich wohlfühlen und für den Fall, dass man sich nicht wohlfühlt, weil man einen aufwühlenden Tag hinter sich hatte, gestresst ist, oder emotional belastende Erlebnisse hinter sich hat, sollte man dies mitteilen. So kann der Fesselpartner Rücksicht auf die Stimmung und die Gefühlslage nehmen.

Diese Dinge (Kommunikation der eigenen Stimmung, der körperlichen Verfassung und eingenommener Medikamente) gelten auch für regelmäßig miteinander fesselnde Paare, im Grunde gelten sie für jede einzelne Fessel-Session, egal wie lange man sich kennt und wie vertraut man miteinander ist.

Als Modell sollte man seinen Fesselpartner (genauso wie auch umgekehrt) mit Bedacht auswählen. Frag deinen Fesselpartner welche Erfahrungen er hat, ob/welche Workshops er besucht hat, schau dir vielleicht auch Bilder von ihm an und hör dich in deinem Freundeskreis, oder bei deinem Fesselstammtisch um, was andere Leute über ihn sagen. Verlass dich aber nicht nur auf Bilder, denn ein Bild ist immer nur eine Momentaufnahme. Lass dich nicht von jemanden aufhängen, bei dem du dir nicht sicher sein kannst, dass er es beherrscht eine Suspension durchzuführen. Achte darauf, ob dein Fesselpartner dich nach körperlichen Einschränkungen und Vorlieben/Tabus fragt. Diese Fragen deuten darauf hin, dass dein Fesselpartner umsichtig und verantwortungsbewusst ist.

Bevor es losgeht, solltest du Halsbänder, Halsketten, Armbänder und Fingerringe ablegen. Sie können beim fesseln stören, einschränkend wirken und dich z.b. ungewollt strangulieren (Halsbänder und -ketten) oder die Blutversorgung minimieren (Fingerringe). Auch ein Bügel-BH sollte ausgezogen werden, denn der Bügel unter der Brust kann durchbrechen und sich in deine Haut bohren. Sport-BH’s sind kein Problem. Generell empfiehlt sich Kleidung ohne dicke Nähte/Knöpfe/Verzierungen da all das unnötige Druckstellen verursachen kann. Stretchige Kleidung die möglichst eng anliegt erleichtert das fesseln und die Bewegungsfreiheit.

Wenn du gefesselt wirst, versuche dich zu entspannen. Es ist für einen Rigger einfacher dich zu bewegen und zu positionieren, wenn du entspannt bist.  Und deine Muskeln verkrampfen nicht so schnell, du bekommst nicht so schnell Schmerzen in den Schultern oder Beinen. Sollte es dir nicht gelingen dich zu entspannen, versuche herauszufinden warum und melde deinem Rigger zurück, was dich unentspannt macht. Entspannung ist natürlich nicht unbedingt das Ziel einer Fesselsession, aber auch diejeinigen Modelle die es lieben gequält zu werden und im Seil zu leiden, werden das leichter können, wenn sie sich vorher entspannen und ganz zu sich und in den Moment hinein finden.

Ein völlig unterschätztes Organ, wenn es um Entspannung geht ist unsere Zunge. Jeder Teil unseres Körpers ist einem bestimmten Teil der Zunge zugeordnet. Jede Verkrampfung in Kopf und Körper lässt also die Zunge ebenfalls verkrampfen. Da der Mundraum unsere Schaltzentrale ist, folgt daraus: Der Kopf und der Körper können sich nur entspannen, wenn sich die Zunge entspannt. Verkrampfe deine Zunge und versuche deinen Kopf bzw. Körper zu entspannen. Es geht nicht. Jede Entspannung muss also im Mundraum beginnen.

Wenn dir etwas weh tut solltest du das immer und unter allen Umständen mitteilen. Am Anfang ist es noch schwieirg zwischen gutem und schlechtem Schmerz zu unterscheiden. Es wäre gelogen zu behaupten, dass Bondage, wenn man es richtig macht niemals weh tut, denn natürlich ziept oder drückt es mal. Und manches soll auch weh tun. Als unerfahrenes Modell kann man noch nicht gut einschätzen welches Ziepen gleich wieder vorüber geht und welches echt blöd und vielleicht auch gefährlich ist. Wenn man sich aber auf sein Bauchgefühl verlässt, dann kann man eigentlich auch ohne Vorerfahrung merken, ob der Schmerzreiz einer ist, der Panik Fluchtinstinkte und Unruhe auslöst (schlechter Schmerz) oder einer ist in den man hinein findet, den man wegatmen kann, den man kompensieren kann.  Traue dich zu sagen, wenn dir etwas weh tut, viele Models sind gehemmt, weil sie denken dann eine Memme zu sein, oder zu empfindlich, aber das ist Blödsinn. Niemand schreibt dir vor, wie du zu sein hast, wie viel Schmerz du ertragen musst, du allein entscheidest wie viel du aushalten kannst und möchtest.

Dein Rigger kann auch nicht hellsehen und auch wenn er viel Erfahrung haben sollte ist doch jeder Mensch unterschiedlich, sowohl in seiner physischen Konstitution, als auch in seinem Schmerzempfinden. Und so kann es sein, dass die Seile bei dir z.B. an den Oberarmen ungünstig liegen und Nerven komprimieren, oder die Blutzirkulation beeinträchtigen und bei 99% der anderen Fesselpartner des Riggers nicht.

Bondage ist irgendwo eine Extrem-„Sportart“. Gerade Suspension belasten deinen Körper zwangsläufig extrem. Denn du hängst mit deinem Gewicht in 5-6mm dünnen Seilen die meist nicht mehr als 5cm Auflagefläche an 3-4 Körperstellen bieten. Bei so einer Belastung kann es zu körperlichen Schäden kommen. Die harmloseren sind, dass du einen blauen Fleck davon trägst, oder sogenannte Ropemarks. Letztere sind Abdrücke der Seile auf deiner Haut, die in der Regel nach ein paar Minuten bis Stunden verschwinden. Manchmal können diese Ropemarks auch als ein Hämatom (Einblutung) bleiben. Auch Hautabschürfungen durch verrutschte Seile sind möglich, aber harmlos. Bei extrem hoher Last auf einer Körperstelle können Spannungsbläschen entstehen, dabei entstehen mit Gewebsflüssigkeit gefüllte Bläschen auf der Hautoberfläche. Du kannst Muskel-, oder Sehnenzerrungen bekommen, wenn dein Körper zu stark überdehnt wird. All das ist aber meistens eher harmlos und nur von kurzer Dauer.

Spannungsbläschen
Spannungsbläschen
Ropemarks
Ropemarks
Hämatom nach einem Futomomo zur (zusammengebundes Bein, in dem man kopfüber hängt)
Hämatom nach einem Futomomo zur (zusammengebundes Bein, in dem man kopfüber hängt)

Kommen wir zu einem wichtigen – weil Folgenschweren- Thema: Nerven und Nervenschäden. Wir haben alle kein eingebautes MRT in unseren Augen und das bedeutet für uns, dass niemand von uns mit Gewissheit sagen kann, wo genau einzelne Nerven lang laufen. Wir können dies nur grob anhand anatomischer Normallagen abschätzen. Jeder der euch erzählt, man könne Nerven ertasten erzählt euch Quatsch. Da wir niemals mit 100%iger Sicherheit sagen können, wo ein Nerv lang läuft und der ganze Körper von Kopf bis Fuß mit Nerven durchzogen ist, die potentiell alle beschädigt werden könnten, können wir nur so risikovermeidend wie möglich fesseln, eine 100%ige Sicherheit einen Nervenschaden zu vermeiden gibt es schlicht und ergreifend nicht.

Darüber sollte sich jedes Ropemodel bewusst sein und seine individuelle Risikobereitschaft mit dem Rigger kommunizieren. Brechen wir sofort bei ersten Anzeichen von Kribbeln in den Händen ab? Brechen wir erst ab, wenn ich die Handfunktionstest nicht mehr durchführen kann? Machen wir unter Umständen einfach gar keine Oberkörperfesselungen mit klassischer Handhaltung der Arme auf dem Rücken, oder gar keine Suspensions? Das sind Fragen mit denen sich Ropemodel UND Rigger auseinandersetzen müssen und die jeder kommunizieren sollte, denn in einer Fesselsituation tragen immer beide zu gleichen Anteilen Verantwortung und Risiko. Ein gutes Ropemodel macht nicht aus, dass es die Füße bis an die Ohren bekommt, oder stundenlang in einer Suspension verharren kann, sondern, dass es sich seiner physischen wie psychischen Grenzen bewusst ist und diese gemeinsam mit der individuellen Risikobereitschaft davor und währenddessen kommuniziert.

Die drei wichtigsten Nerven im Arm, welche für unsere Handfunktion zuständig sind (Ulnaris, Radiales, Medianus) müssen ebenfalls nicht zwingend in ihrem genauen Verlauf bekannt sein, es gibt andere Grundregeln die man kennen und beachten sollte um so risikoreduzierend wie möglich zu fesseln:

  • Die Körperhaltung spielt eine entscheidende Rolle, aufrechter Rücken und zurückgenommene Schultern führen zu einer erheblich besseren Haltung und einem geringeren Risiko von Schmerzen und Nervenschäden
  • Ob low hands, high hands, oder eine klassische Boxtie-Armhaltung für dich am besten funktionieren, hängt von deiner Schulter-, und auch Schulterblattflexibilität ab
  • Eine Handschelle sollte immer so locker gefesselt sein, dass du theoretisch rauskämest
  • Seilverlängerungen gehören nicht in den Zwischenraum zwischen Arm und Körper
  • Bestenfalls liegen beide Traglagen im oberen Drittel deines Oberarms und lassen viel Platz zum Ellenbogen (Regeln, dass zwischen der oberen und unteren Traglage eine Handbreit Platz gelassen werden muss sind völliger Blödsinn)

Die richtige Höhe der Traglagen auf den Oberarmen zu finden und die richtige Armposition dauert und je nach Suspension kann die favorisierte Armhaltung auch variieren.

Ein sich anbahnender Nervenschaden verläuft manchmal symptomlos. Dennoch gibt es Handfunktionstest, die sowohl Sensorik als auch Motorik der Hand testen und mit denen man sich sicherer sein kann, noch keinen Nervenschaden zu haben. Kribbeln deine Hände, so ist zunächst zu unterscheiden, ob die gesamte Hand kribbelt (wie ein Fuß der einschläft), oder ob nur einzelne Finger kribbeln. In ersterem Fall – die ganze Hand kribbelt – handelt es sich zu 90% um einen Blutstau. Blut wird in der Hand gestaut (es ist NICHT so, dass kein frisches Blut in die Hand kommt, das wäre fatal) und sorgt für eine bläulich lila Verfärbung und Kribbeln. Ein Blutstau ist rein medizinisch zunächst kein Problem. Bei zu heftigem Blutstau spürst du jedoch auch nicht mehr wenn nun einzelne Finger beginnen zu kribbeln – ein sicheres Zeichen dafür, dass sich ein Nerv beschwert. Aus diesem – und nur aus diesem Grund – ist auch ein Blutstau für uns beim fesseln problematisch.

Kribbeln einzelne Finger solltest du dies in jedem Fall unverzüglich an deinen Rigger rückmelden.

Testen kannst du deine Handfunktion indem du mit dem Daumen über die anderen Fingerkuppen streichst, so spürst du Taubheitsgefühle. Gib dir immer wieder ein Thumbs-Up (solange das geht, hast du vermutlich keinen motorischen Radialisschaden). Lass deinen Rigger seine Hand auf deinen Handrücken legen und nun drück dagegen. Auch wenn das geht, hast du noch keinen motorischen Nervenschaden. Öffne und schließe die Hand, drücke zu einer Faust zu.

Hat der Rigger anatomische Kenntnisse kann er anhand der Finger welche Kribbeln ggf. die problematische Stelle in der Fesselung lokalisieren und verändern. Hat er keine so genauen Kenntnisse , oder verbessert sich die Situation auch nach Korrektur der Fesselung nicht, gilt: Je schneller der Druck von Oberarmen und Handschelle genommen wird, umso geringer ist das Risiko einen länger bleibenden Nervenschaden davon zu tragen. Also möglichst schnell Last von der Oberkörperfesselung nehmen und abfesseln.

Ist es trotz alle Vorsichtsmaßnahmen und Umsicht mal passiert, dass du einen Nervenschaden davongetragen hast – der häufigste ist die sogenannte Fallhand, gilt: Fesselpause! Alle anderen Empfehlungen wie Ibuprofen einzunehmen, zu kühlen, oder zu massieren, sind unbelegte Empfehlungen.

Warum sollst du ein entzündungshemmendes Schmerzmittel nehmen, wenn du weder eine Entzündung, noch Schmerzen hast? Ob dir kühlen, oder Wärme besser hilft, oder nichts von beidem, ist deine eigene Entscheidung und beides führt nur dazu, dass du dich mental-emotional besser fühlst und hat keinen direkten Effekt auf den Nervenschaden. Da ein Nervenschaden eine Kompressionsschädigung ist, ist es unter keinen Umständen empfehlenswert, weiteren Druck durch eine Massage auszuüben.

Vitamin B12 kann dabei helfen, die Eiweißschicht die den Nerv umgibt schneller wieder regenieren zu lassen. Es ist frei verkäuflich und ein wasserlösliches Vitamin, das heißt du kannst dir damit weder eine Überdosis zufügen, noch sonst einen großen Schaden zufügen. Ob du das nehmen möchtest ist deine individuelle Entscheidung, auch hier gibt es keine belegbaren Studien. Wir möchten hier KEINE Empfehlung dafür aussprechen, für die Auslegung seines Fetischs ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Wir möchten aber darauf hinweisen, dass es einen positiven Effekt haben KANN.

Bring deine Hand nicht in eine Schonhaltung, mache einfach so normal wie möglich alle Alltagshandlungen, so wird die Hand immer wieder angetriggert die Bewegungen auszuführen. Folgende Übung zur passiven Bewegungsübung kannst du machen: Fasse ein Buch zwischen Daumen und restlichen Fingern beider nach vorne vom Körper wegzeigender Hände. Hebe das Handgelenk Richtung Körper und hebe so das Buch an. Die verletzte Hand führt die Bewegung passiv mit aus.

Ansonsten heißt es einfach: abwarten! Und sich nicht scheuen, zum Arzt zu gehen, wenn nach wenigen Tagen keine Besserung eintritt. Manchmal dauert so ein Nervenschaden nur ein paar Minuten, manchmal Stunden, Tage, oder Wochen. Nach Tagen ohne Besserung hilft ein Arztbesuch in sofern, als das zum Beispiel die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen werden kann und damit der Schaden und seine Schwere lokalisiert werden können.

Wichtig ist vor allem: Mach dir keine Vorwürfe, dass du eine Verletzung davongetragen hast. So etwas kann einfach passieren. Genau wie bei jedem Sport. Niemandem ist durch Schuldzuweisungen geholfen und du brauchst dich auch nicht schämen. Eine Verletzung zeigt kein Nicht-Können deinerseits,  oder eine Unbelastbarkeit, sie kann einfach trotz aller Vor-, und Umsicht passieren.

Manche Menschen mögen Atemkontrolle und finden deshalb Seile um den Hals toll. Mit Seilen um den Hals sollte vorsichtig umgegangen werden, damit sie sich nicht unkontrolliert zuziehen und dich strangulieren, oder dich ohnmächtig werden lassen. Am Hals verlaufen die Carotiden (Halsschlagadern) und sie reagieren sehr empfindlich auf Kompression. Es gibt eine Stelle an der ein Nervengeflecht Druck sofort wahrnimmt und den sogannten Carotis Sinus Reflex auslöst (Google zeigt Bilder wenn man Carotis Sinus Reflex eingibt, wo das Nervengeflecht sich befindet). Der Carotis Sinus Reflex führt zu einer sofortigen Ohnmacht aus der man in der Regel nach wenigen Sekunden aufwacht. In seltenen Fällen kann es jedoch auch zu einem Herzstillstand kommen. Eine ohnmächtige Person ist immer sofort auf den Rücken zu legen, die Beine leicht erhöht z.B. auf einer Stuhl-Sitzfläche ablegen, eine Ohrfeige darf gegeben werden. Seile können aufgeschnitten werden, das entfernen der Seile ist jedoch nicht die oberste Priorität, sondern die Überprüfung und Wiederherstellung der Vitalfunktionen.

Seile die an den Haaren befestigt sind und den Kopf nach hinten überstrecken können ein tolles restriktives Gefühl vermitteln und auch aus ästhetischen Gesichtspunkten einer Fesselung den letzten Schliff geben. Es ist aber wichtig, dass sobald der Kopf derart nach hinten überstreckt wird keine ruckartige Bewegung im Kopfbereich/ an der Gesamtfesselung durchgeführt werden sollte. Ein starker Ruck kann zu Halswirbelsäulenschäden führen. Im schlimmsten Fall zu einer Querschnittslähmung.

Insgesamt ist uns wichtig darauf hinzuweisen, dass der Körper ein Gesamtkonstrukt ist, es ist unsinnig singulär die Auswirkungen einer Fesselung nur im Kopfbereich, oder Armbereich zu betrachten, denn wenn ich zum Beispiel den Oberkörper bewege, wird sich auch im Unterkörper etwas bewegen. Drehe ich einen Finger, so wird sich irgendwann die Schulter drehen (weil ein Finger kein Drehgelenk hat und deshalb keine Drehbewegung ausführen kann und diese Bewegung solange an das nächste Gelenk weitergibt, bis die Bewegung ausgeführt werden kann). Um eine Fesselung komfortabel und ergonmisch zu gestalten sollte ein Rigger den Gesamtkörper betrachten und darauf achten, wie sich eine Veränderung der Fesselung an einer Körperstelle auf den Rest des Körpers auswirkt.

Natürlich kann ein Seil auch mal reißen, deshalb ist es wichtig, dass dein Rigger seine Seile pflegt und sie regelmäßig auf poröse/aufgeribbelte Stellen kontrolliert. Die Qualität des Seils hat zudem entscheidenden Einfluss auf die Komfortabilität der Fesselung. Sieh bitte davon ab, dich mit Plastikseilen, Wäscheleinen und Co. aufhängen zu lassen, die Knoten können sich zuziehen, Seilbrand schneller verursacht werden und der Tragekomfort im Hinblick auf die Lastverteilung ist deutlich geringer. Genauso könnte ein Haken aus der Decke kommen, deshalb ist es wichtig sich nicht an Haken für Blumenampeln oder amateurhaften Deckenhaken aufhängen zu lassen, sondern an einem professionell installierten Hängepunkt. Auch outdoor sollte die Befestigung eines Hängepunktes stets geprüft werden, Äste können morsch sein und Stahlträger in Industriebaracken rostig sein. Das klingt alles banal und selbstverständlich, aber es zu sagen schadet trotzdem nicht.

Und nochmal: Jeder Mensch kann gefesselt werden! Es ist außerdem ein dämlicher Mythos, dass ein gutes Ropemodell nicht mehr als 60kg wiegen darf. Lass dich davon nicht beeindrucken und vor allem zweifle nicht an dir selbst, deinen Fähigkeiten, deiner Eignung oder Attraktivität. Das was dich im Seil schön macht, ist der Ausdruck deines Genusses in deinem Gesicht und nicht, dass du wie eine Zirkusartistin die Beine in der Luft bis hinter die Ohren bekommst. Das ganze ist eben doch kein sportlicher Wettkampf, sondern ein sexueller Fetisch, der daher mit Lust und Sinnlichkeit einhergehen sollte.

Wenn mal etwas schief geht, weh tut, du dich unwohl fühlst, dann such auch das Nachgespräch mit deinem Rigger. Gönnt euch beide die Zeit dreimal tief durchzuatmen und dann setzt euch bei einer Tasse Tee zusammen und redet offen über eure Empfindungen und darüber, was nicht so gut gelaufen ist. Nur durch ein ehrliches und offenes Feedback kann dein Rigger dazulernen.

Nun gibt es noch ein paar Tipps wie du dir selbst in einer Suspension helfen kannst um dein Gewicht zu verlagern. Wir besprechen exemplarisch nur die beiden Basic-Suspension, solche Tipps gibt es aber für jede Fesselung/ Suspension.
Bei einer seitlichen Aufhängung (Side Suspension /Yoko Zuri) wird in der Regel zuerst die Oberkörperfesselung befestigt und dann ein Bein am Oberschenkel vom Boden weggenommen. Wenn dann das zweite Bein am Fußknöchel vom Boden genommen wird und am Ring befestigt ist, kannst du dieses Bein durchstrecken und dich in deine Oberkörperfesselung stemmen, so vermeidest du, dass du mit der Hüfte durchhängst, denn das sieht zum einen nicht schön aus und zum anderen hast du dann sehr viel Last in der Oberkörperfesselung. Meistens gibt dir der Rigger dann ein Hüftseil und zieht deine Hüfte ebenfalls zum Suspensionspoint. Dann musst du sie nicht mehr selbst hochhalten.

Durchgestrecktes unteres Bein in seitlicher Hängung
Durchgestrecktes unteres Bein in seitlicher Hängung, selbstständiges anheben der Hüfte/ des Körperschwerpunktes
Angewinkeltes Bein führt zum durchhängen im Hüftbereich, Körperschwerpunkt hängt runter, so wird viel Last auf die Oberkörperfesselung ausgeübt
Angewinkeltes Bein führt zum durchhängen im Hüftbereich, Körperschwerpunkt hängt runter, so wird viel Last auf die Oberkörperfesselung ausgeübt

In einer Suspension mit dem Gesicht nach unten/ bäuchlings (Face-Down/ Utsubuse Zuri) wird in der Regel auch zuerst die Oberkörperfesselung befestigt und dann werden nacheinander beide Beine an den Fußknöcheln vom Boden genommen. Meistens hängt man nun ziemlich stark im Rücken durch (Hohlkreuz), das ist anstrengend, macht das atmen schwierig und ist auch nicht gut für den Rücken. Wenn du deine Beine anwinkelst und dich in die Beine reinstemmst, kannst du deinen Hintern hochheben und so ein Hohlkreuz vermeiden, bis der Rigger ein Hüftseil befestigt hat, dass dann deine Hüfte/deinen Hintern trägt. In einer Face-Down-Suspension ist es generell schwieriger zu atmen, weil sehr viel Last auf dem vorderen Brustkorb liegt. Versuche in den Bauch zu atmen. Meistens schlafen in dieser Position die Arme schneller ein, als auf der Seite.

Durchhängen im Hüftbereich / Körperschwerpunkt führt zu einer Hohlkreuzbildung und ist sehr anstrengend
Durchhängen im Hüftbereich / Körperschwerpunkt führt zu einer Hohlkreuzbildung und ist sehr anstrengend
Eigenständiges Entlasten, durch hochstemmen der Hüfte indem man sich in die Beinschellen drückt entlastet
Eigenständiges Entlasten, durch hochstemmen der Hüfte indem man sich in die Beinschellen drückt entlastet

In einer Suspension kopfüber, musst du entscheiden, ob du an zwei Fußgelenken, an nur einem, an einem zusammengebunden Bein,  an einem Hüftseil, oder einem Taillenseil besser hängen kannst und vor allem auch wie lange. Suspensions kopfüber sollten nur durchgeführt werden, wenn sich dein Rigger im Handling wirklich sicher ist, denn wenn er hier mal loslässt stürzt du direkt auf den Kopf. Das hängen an einem zusammengebundenen Bein (sog. Futomomo) ist zu Beginn für die meisten Modelle schmerzhaft, aber dies ist ein Schmerz an den sich ebenso die meisten Modelle mit der Zeit gut gewöhnen können, letztendlich ist dies aber eine Fesselung die wehtun SOLL.

Diese ganzen Hinweise erscheinen vielleicht abschreckend, aber ich finde es wichtig, dass Modelle über die Risiken und die Möglichkeiten sich selbst zu helfen besser aufgeklärt werden.  Und nur wer den worst case kennt, kann eine wirkliche Entscheidung treffen worauf er sich einlassen möchte und wie weit er gehen möchte. Diese Hinweise sollen nicht dazu führen, den Eindruck zu vermitteln, Modelle müssten sich konstant selbst optimieren, genau kommunizieren, usw. um gute Modell zu sein und sicher zu fesseln. Diese Hinweise dienen einzig und allein der Aufklärung, der Bereitstellung von Wissen und dem offenen und transparenten Umgang mit diesem Wissen. Wir möchten es Modellen, Riggern, Interessenten -im Grunde der ganzen Community einfach zur Verfügung stellen und freuen uns über Diskussionen.

Falls noch Fragen offen geblieben sind, kannst du diese gerne im Kommentar stellen, oder uns eine E-Mail schicken.

Wir wünschen dir eine gute Fesselzeit, pass stets auf dich auf, sei achtsam und genieße es.

Wir halten dieses Thema gerne als anschaulichen Vortrag auf deinem Stammtisch, in deiner Fessel-Community, oder anderen Events. Kontaktiere uns einfach bei Interesse 🙂

 

10 Gedanken zu „Rope Bottoming – Infos und Hinweise

  1. Danke für deine ausführliche Erklärung! Somit ist wirklich alles gesagt und sehr schön geschrieben. Ich würde deinen Text, wenn du erlaubst, gerne teilen und weiter verbreiten. Liebe Grüsse Katrin

  2. Prima Text – auch wenn ich nicht in allem Deiner Meinung bin. So etwa bei der Fallhandnachsorge: Kühlen, ruhig halten, hoch lagern und Ibuprofen wegen der entzündungshemmenden Wirkung ist im Augenblick der aktuelle Stand der medizinischen Diskussion.
    Und Entspannung als Ziel in der Fesselung finde ich zu einseitig. Gefehlt hat mir auch ein Satz, dass Fesseln immer etwas ist, was zwei Leute miteinander und nicht einer mit dem anderen betreiben.
    Und der Hinweis, dass man seinen Fessler nicht mit Forderungen nach einer bestimmten Bondage („ich hab da ein Bild mitgebracht“) pushen sollte, denn oft höre ich, wie Modelle ihre Fessler in Fesslungen treiben, bei denen sich die Fessler eigentlich noch unsicher fühlen.
    Und seit dem so viel futomomisiert wird, tritt neuerdings immer mal wieder ein Fallfuss auf.
    Aber es ist immer noch der beste Text zum Thema, den ich in den letzten Jahren gelesen habe und deswegen würde ich ihn auch gerne bei mir auf der Webseite verlinken. Lieber Gruß, Matthias

    1. Vielen Dank für dein Feedback.

      Es gibt eine S3 Leitlinie (S3 ist die höchste Evidenzklasse) die in Kooperation von Neurologen und Chirurgen herausgegeben wurde in der Ibuprofen explizit nicht empfohlen wird. Auf dem Merkblatt des Place de Cordes steht z.B. auch Ibuprofen, es ist aber fraglich in wie weit die eine Einnahme von Schmerzmitteln bei nicht gesicherter positiver medizinischer Wirkung verantwortbar und sinnvoll ist. Es ist richtig, dass Ibuprofen entzündungshemmend wirkt, aber es liegt ja keine Entzündung vor.
      Zur Leitlinie: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/005-010l_S3_Versorgung_peripherer_Nervenverletzungen_2013-06.pdf
      (natürlich nur in Teilen auf Nervenverletzungen vom Shibari anwendbar)

      Auch mit dem Kühlen ist es so eine Sache – manchmal hilft auch gerade Wärme, weil die verbesserte Durchblutung den Heilungsprozess beschleunigt. Hier halte ich persönlich es so: Nutz das was dir gut tut, egal ob Wärme oder Kälte.

      Entspannung sollte nicht das ZIEL der Fesselung sein, ich sprach nur davon, dass es hilfreich ist für ein positives Gefühlserleben, wenn man sich entspannen kann.

      Sehr gerne aufnehmen möchte ich deinen Hinweis, dass man seinen Rigger nicht pushen sollte indem man auf die unbedingte Umsetzung einer auf einem Bild gesehen Fesselung besteht. Das finde ich auch ganz wichtig und es ist mir schon häufig aufgefallen, dass Modelle so eine Erwartungshaltung haben.

      Ein Fallfuß ist mir (Gott sei Dank) in 6 Jahren noch nie unter gekommen, auch nicht vom hören-sagen. Es ist natürlich richtig, dass es auch andere Nervenschäden gibt, die wichtig sind. Ich überlege das noch aufzunehmen!

      Auch die Sache, dass Shibari etwas ist, dass zwei Menschen miteinander machen finde ich toll und ganz wichtig.

      Daher wirklich ganz herzlichen Dank für dein Feedback und den konstruktiven Austausch!
      Liebe Grüße nach Hamburg und wir freuen uns wenn du unseren Artikel verlinkst <3

      1. Danke für die Infos und das medizinische Update. Ehrlich gesagt war ich mir auch nicht so sicher, denn die Amis sehen ja einige Dinge anders als wir hier in Europa. Ich hab nach 25 Jahren Fesselei zum Glück nur einmal Erfahrungen mit einer Fallhand gemacht. Und ich setzt den Link dann bei mir unter:
        http://www.bondageproject.com/public/info-medizin.htm
        Alles Liebe aus Hamburg,
        Matthias

  3. Hallo zusammen,

    vielen Dank für diesen tollen Text, und für die konstruktive Kritik in den Kommentaren! Der Münsteraner Fesseltreff wird diese Lektüre auch auf seiner neuen Webseite verlinken!

    Liebe Grüße
    Alan

    1. Vielen Dank Alan, wir freuen uns, wenn auch Münster den Artikel verlinkt und davon profitieren kann!

  4. hallo,
    seeehr schöner text, wirklich gut u umfassend! der verstand sollte dabei nieee zu kurz kommen!

    gruß john

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