




In einem Netzwerk aus polyamoren Beziehungen (sog. Polykül) können ganz unterschiedliche Beziehungsarten, Bindungsstile und Lebensarten vorhanden sein.
Olaf und Uta können beispielsweise eine romantische asexuelle Beziehung führen, wo sie sich alle 14 Tage am Wochenende treffen und unter der Woche eher weniger Kontakt miteinander haben, wohingegen Uta und Nina sich jeden zweiten Tag inklusive Übernachtung sehen, eine romantische sexuelle Beziehung miteinander führen aber gemeinsam sesshaft werden ausschließen. Olaf und Susi aber denken gerade darüber nach ein Haus zu kaufen und gemeinsam Kinder zu bekommen. Wobei Susi möchte, dass ihr platonischer Partner Dirk auch ins Haus miteinzieht. Nach vielen Jahren Beziehung mit Dirk, haben sie beschlossen keine romantische Beziehungsebene mehr miteinander zu teilen, aber Seelenverwandtschaft und ein super eingespieltes funktionales Team darstellen mit riesiger Vertrauensbasis.
Wichtig ist, sich innerhalb der polyamoren Lebensweise von gesellschaftlich konditionierten Vorstellungen genauso zu lösen, wie von Vergleichsdenken zwischen Partnern. Eine ankondiitionierte Vorstellung lautet, dass Partner im klassischen Beziehungssinn nur solche Menschen sind, mit denen Liebesgefühle und Sexualität geteilt werden. Das ist natürlich großer Quatsch, aber wir können nicht einfach ablegen was uns tagtäglich vorgelebt wird, wir können nur immer wieder ganz bewusst zu uns selber sagen „Stopp, ich nehme mir jetzt 5 Minuten Ruhe und denke darüber nach was ICH möchte und was sich für MICH richtig anfühlt und höre auf zu denken, was wie sein SOLLTE“.
Da es in polyamoren Beziehungen oft ein größeres Sicherheitsbedürfnis gibt, da nichts automatisch vorgegeben ist, sondern alles zwischen den Akteuren verhandeln und ausgehandelt werden muss, kann es gut passieren, dass Partner 1 seine Beziehung mit der Beziehung von Partner 2 zur selben Person vergleicht und versucht den eigenen Wert als Mensch und den der Beziehung davon abzuleiten, wie viel Zeit miteinander verbracht wird, welche Art von Zeit oder ob sich gesagt wird dass man sich liebt usw.
Diese Vergleiche bringen nichts, denn jede Beziehung ist einzigartig, hat ihren eigenen Wert und erfüllt ihre eigenen Funktionen.
Deine einzige Aufgabe als Teil eines Polyküls ist es für dich herauszufinden, was du von der Beziehung brauchst, erwartest und was du hinein geben kannst und das mit den betreffenden Partnern zu besprechen und ggf. auch zu diskutieren. Du bist ein aktiver Akteur!
Beziehungen verlaufen zudem nicht linear, aus Liebesbeziehungen können platonische Beziehungen werden und umgekehrt. Nähe, Zeitumfang, sexuelle Aktivität und Gefühlsreichtum sind veränderbar über den Lauf der Zeit und sind kein Indikator für den Wert oder die Stabilität einer Beziehung.