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Konsens in Lehrsituationen in denen Schüler_innen als Demo-Bottoms hinzugezogen werden

Fushicho (Gastbeitrag von Fairydance) • 6. Juni 2019

Gastbeitrag von fairydance

Konsens in Lehrsituationen, in denen Schüler_innen als Demo-Bottoms hinzugezogen werden:

Hürden für Schüler_innen Grenzen zu setzen, wenn sie als Demo-Bottoms hinzugezogen werden

Ich erwarte von Lehrpersonen, dass ihnen klar ist, dass es viele Faktoren gibt, die es für teilnehmende Bottoms schwer machen können, ihre Grenzen zu realisieren und/oder zu verteidigen, wenn sie unvorbereitet für eine_n bislang unbekannte_n Lehrer_in demo-bottomen. Um nur ein paar zu benennen:

  • freezing (erstarren) als eine Reaktion, wenn etwas unerwartet intim oder intensiv wird
  • einer technischen Demonstration zuzustimmen und perplex über die Intensität zu sein, die die Lehrperson initiiert
  • der Lehrperson einen Vertrauensvorschuss zu geben und daher nicht im Verteidigungs-Modus zu sein
  • kein Gewese vor den anderen Teilnehmenden machen zu wollen, vielleicht auch Sorge zu haben, sonst von ihnen ausgeschlossen oder als 'Drama Queen' oder ähnliches dargestellt zu werden
  • sich geehrt zu fühlen, zum Vorführen gebeten zu werden, und daher ein bisschen langsamer darin zu sein, die eigenen Grenzen zu bemerken und das in Nein-Sagen zu übersetzen
  • besser vorher verhandeln zu können als während einer Session
  • im Lern-Modus zu sein, in dem man sich herausfordern lassen will, was es schwierig machen kann, sofort klar zu haben, dass was zu weit geht
  • von der Lehrperson eingeschüchtert zu sein
  • ein_e gute_r Schüler_in sein zu wollen
  • früher (in der Schule oder später) schlechte Erfahrungen damit gemacht zu haben, einer Lehrperson zu widersprechen (Stichwort: 'Widerworte geben')
  • sehr devot zu sein
  • faktisch durch Körpersprache Grenzen zu setzen, die der_die Lehrer_in entweder mangels vorherigen Austauschs nicht erkennt oder nicht wahrnimmt, weil er_sie auf die anderen Schüler_innen konzentriert ist
  • und viele, viele weitere.

Risiko-Reduktion

Lehrpersonen sollten - als die Personen, die den Unterrichts-Rahmen gestalten, und damit mehr Verantwortung und Ressourcen zur Verfügung haben - die Verantwortung übernehmen, dieses aus den beschriebenen Barrieren folgende erhöhte Grenzüberschreitungsrisiko weitmöglichst zu reduzieren. Natürlich haben Bottoms auch Eigenverantwortung bzw. können zu ihrem Selbstschutz beitragen, wenn sich Lehrpersonen daneben benehmen. Dafür sind wahrscheinlich die Reflexionsfragen übertragbar, die ich im anderen Writing beschrieben habe. Dennoch sehe ich hier die größere Verantwortung bei denen, die den Raum maßgeblich gestalten, also den Lehrpersonen und auch denen, die die Lehrpersonen einladen, indem sie diesen eine entsprechende Policy mitteilen und für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen. Im Folgenden meine Sicht/Vorschläge:

  • Professionelle Lehrpersonen sollten, wenn irgend möglich, eine_n eigene_n Bottom mitbringen, mit der_dem sie gute Kommunikation etabliert haben. Wenn sie dann trotzdem manche Dinge an Schüler_innen vorzeigen wollen, wird es für die Schüler_innen viel einfacher sein, das abzulehnen, ohne das Gefühl zu haben, dass sie sich um ihren Teil der Arbeit drücken.
  • Wenn der_die Lehrperson eine_n Teilnehmende_n als Demo-Bottom heranziehen möchte, sollte er_sie es sehr niedrigschwellig für Teilnehmende machen, das abzulehnen.
  • Das geht unter anderem, indem er_sie nach Freiwilligen fragt, anstatt einzelne Teilnehmende herauszugreifen.
  • Oder indem in einer Pause gefragt wird oder zu einer anderen Zeit, wo die Person nein sagen kann, ohne dass die Gruppe zuschaut, und in der die gefragte Person auch Zeit hätte darüber nachzudenken.
  • Und Lehrpersonen sollten Schüler_innen verbal dazu ermutigen, nein zu sagen, wenn sie das nicht machen wollen. Idealerweise sollte am Anfang des Unterrichts klar gesagt werden, dass es Teil der Aufgabe von Bottoms ist, Bescheid zu sagen, wenn etwas nicht für sie funktioniert, und dass die Lehrperson es sehr schätzt, wenn Bottoms das tun, selbst wenn sie sich dabei gegen bzw. kritisch über etwas äußern, was die Lehrperson tut. Das sollte dann natürlich auch der tatsächlichen Praxis der Lehrperson entsprechen. Und wenn die Lehrperson eine_n Schüler_in fragt, etwas an ihr_ihm vorzeigen zu können, sollte die Frage so formuliert sein, dass es leicht ist abzulehnen (z.B.: Hast Du Lust, dass ich xyz an Dir vorzeige? Ich kann auch wen anders fragen, wenn Du nicht magst.)
  • Und die Lehrperson sollte transparent darüber sein, was der_die Schüler_in zu erwarten hat, wenn sie_er sich zur Verfügung stellt, also zum Beispiel etwas Technisches, etwas Sexuelles, Überwältigung etc.
  • Oh, und was ich erstmal vergessen hatte zu schreiben, weil es eigentlich selbstverständlich sein sollte: Lehrpersonen sollten selbstverständlicherweise immer fragen, bevor sie Schüler_innen berühren.

Selbstverständlich hängt der Aufwand, der in das Senken der Schwelle, nein zu sagen, fließen sollte, auch davon ab, was genau vorgezeigt werden soll. Ich denke, es braucht mehr Vorsicht bei Dingen, die physisch riskant, intim oder session-artig sind, als zum Zeigen einer Einhandfesselung oder des Anbringens einer Upline. Aber das ist nur meine Sicht und für andere könnte es anders sein. Wir sollten auch berücksichtigen, dass für Leute, die sich viel mit Bondage beschäftigen, etwas viel weniger intensiv sein kann, als es für Leute ist, die seltener (in einem bestimmten Stil) fesseln. Insofern finde ich Vorsicht besser als Nachsicht. Ah, und was ich vergessen habe: Wenn es eine bereits etablierte oder gewachsene Beziehung zwischen Lehrer_in und Schüler_in gibt, kann das auch was sein, was die beiden dann miteinander sehen müssten. Ich spreche hier eher über das Szenario eines_einer Gast-Lehrer_in.

Team teaching & als Lehrperson eine_n eigenen Bottom mitbringen

Sowieso denke ich, es sollte mittlerweile Standard sein, im Unterricht auch Lern-Angebote für Bottoms zu machen, wofür ein_e selbstbewusste_r und erfahrene_r Bottom in den Unterricht einbezogen werden sollte. Daher spricht viel dafür, ein Top-Bottom-Unterrichts-Team einzuladen, oder zumindest, wenn das nicht möglich sein sollte, die Lehrperson zu bitten, eine_n Demo-Bottom einzuladen, mit der_dem a) die Lehrperson vor dem Workshop gute Kommunikation etabliert (hat), und der_die b) auch Bottoming-Unterrichtsinhalte anbieten kann.

Das kann auch einer weiteren Dynamik entgegenwirken, die die Sache noch komplizierter machen kann, wenn Schüler_innen zum Vorzeigen genommen werden:

Randbemerkung: Schüler_innen, die sehr gerne zum Vorzeigen genommen werden wollen

Während es einerseits Schüler_innen gibt, die vielleicht lieber nicht zum Vorzeigen genommen werden wollen, oder zumindest nicht für eine bestimmte Art zu fesseln, wird es meistens andere geben, die das unbedingt gerne wollen. Wenn die Lehrperson nur andere Schüler_innen zum Vorzeigen holt, können die Schüler_innen, die das auch gerne möchten, sich ausgeschlossen fühlen oder darüber sogar Selbstzweifel entwickeln. Das könnte also zu einer nicht so wünschenswerten Gruppendynamik führen.

Wir sind alle Erwachsene und ich will hier überhaupt nicht Dynamiken zwischen den 'Erwählten' und den 'Vernachlässigten' mit Grenzüberschreitungen gleichsetzen. Aber als ich Tanzlehrerin war und manchmal alleine unterrichtet habe, habe ich versucht, diesen Dynamiken entgegenzuwirken, indem ich bewusst darauf geachtet habe, alle Schüler_innen zum Vorzeigen zu wählen, natürlich jeweils angepasst an ihr Lernniveau. Ich verstehe erst durch diese Diskussion, dass vielleicht nicht alle Schüler_innen darüber so glücklich gewesen sind, wie ich es gewesen wäre, die im Tanzunterricht immer sehr gerne für so was ausgewählt werden wollte. Das heißt, dass Fehler sogar aus den besten Absichten in punkto Gerechtigkeit zwischen den Schüler_innen passieren können.

Das heißt, vielleicht, wenn die Lehrperson den Schüler_innen anbieten will, zu erfahren, wie sie_er etwas fesselt (und ich schreibe 'wenn', weil Fesseln sehr intim sein kann und Lehrer_innen auch das Recht haben zu wählen, mit wem sie auf dieser Ebene interagieren wollen), könnte das in anderer Form angeboten werden, möglicherweise als einfaches Angebot, das manche Bottoms mit Begeisterung annehmen werden und andere ablehnen werden, entweder für die ganze Gruppe oder beim Rumgehen, während die Lernenden fesseln.

von Victoria Fushicho 29. Mai 2024
Jörg und ich waren über Pfingsten zu Gast im Karada House in Berlin und Teilnehmende, bei dem dort stattgefundenen Semenawa Workshop, welcher von Naoko und ihren Modellen gehalten wurde. Das Karada House ist ein von mehreren Personen geführter queerer Ort für LGBTQIA+ Personen und anderen Menschen marginalisierter Gruppen. Sowohl Jörg als auch ich, verarbeiten dieses Wochenende noch immer, sowohl inhaltlich als auch emotional. Dennoch möchte ich meine Erfahrungen und die durch das Wochenende angestoßenen Gedanken mit euch teilen. Dieser Eintrag widmet sich allein den Eindrücken, welche ich im Space von Karada House gemacht habe und weniger dem Workshop oder den Inhalten. Vor jedem Workshop den wir besuchen, verspüre ich immer eine Aufregung und auch eine Art Unsicherheit, bezüglich der Tage die auf mich zukommen, der Menschen welchen ich begegne und letztlich auch ob ich als Modell „gut durchhalte"- was auch immer gut durchhalten bedeutet. Dieses Mal war ich nicht weniger aufgeregt, doch meine Unsicherheiten waren nebst den bekannten auch andere; bin ich achtsam genug, bin ich überhaupt queer oder marginalisiert genug dort zu sein, was, wenn ich versehentlich Menschen falsch lese oder misgendere…ihr könnt es euch vorstellen, mein Stressball war auf Anschlag. Kleiner Einschub, ich habe eine Person misgendert, mich korrigiert und mich bei der Person entschuldigt- Fehler passieren- das ist nicht das Ende der Welt, unser Umgang in so einer Situation entscheidet allerdings ob sich die betroffene Person mit uns sicher fühlt oder nicht. Ich habe das Karada House als offenen, gemeinschaftlichen Ort erlebt, indem ich mich eingeladen fühlte einfach sein zu können und was ich mitzubringen hatte vollkommen ausreichend war. Ein Ort des Austausches, des Wohlwollens, weg von Konkurrenz und einer Instagram/ „wir fesseln nur für Fotos" Mentalität. Einen Ort an dem sich die Menschen nacheinander in den Pausen erkundigten. „Was ist dein Bedürfnis? Brauchst du was? Hast du genug gegessen/ getrunken? Möchtest du dich zurückziehen?“ Noch nie habe ich einen Space besucht, welcher so divers war, wie dieser- schön und auch schade zugleich. Das soll keine Lobhudelei darauf werden wie toll alles war, durchaus gab es Dinge, die ich persönlich anders machen würde, dennoch hat sich mein Aufenthalt sicher für mich angefühlt- ich war durchaus oft von den Eindrücken überfordert, aber ich habe mich sicher und für dieses Wochenende, als Teil einer Community gefühlt. Keinesfalls möchte ich andere Spaces oder Veranstaltungen herabsetzen, dennoch wirft dieses Wochenende in Berlin unweigerlich die Frage danach auf, was mir in anderen Spaces und Veranstaltungen gefehlt hat?! Welche Verantwortung haben wir als Veranstaltende, wenn es darum geht den organsierten Workshop und oder den Space sicherer zu machen? Wie werden Menschen einbezogen, eingeladen, angesprochen? Werden sie überhaupt inkludiert? Ein Space, ein Workshop oder eine Veranstaltung werden nicht sicherer, weil man sich ein Label aufgeklebt hat, Communities entstehen nicht einfach von alleine, weil Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft zusammenkommen und es fühlen sich auch nicht alle Menschen angesprochen weil auf einer Homepage die Floskel „hier sind alle willkommen* steht - dazu fällt mir ein Zitat ein, ich weiß leider nicht mehr von wem „werden Menschen nicht aktiv einbezogen, werden sie passiv ausgeschlossen...* Mir ist durchaus auch klar, dass Vielfalt etwas ist, welches sich natürlich entwickeln muss und die Diversität in Spaces hängt nicht selten von der jeweiligen Verortung ab. Doch, einen Space zu eröffnen, Workshops zu hosten, Veranstaltungen zu organisieren, ist ein wichtiger Anteil innerhalb der Szene, dem Macht und vor allem Verantwortung innewohnt. Wir bereiten die Basis dafür, dass sich Menschen bei uns wohl, geschützt und gesehen fühlen. Wir haben Einfluss darauf wer Zutritt erhält, wie mit Konflikten umgegangen wird und ob und wie Konsequenzen bei Missachtung oder Fehlverhalten resultieren. Und wir sollten mit gutem Beispiel voran gehen, einen Werte und Ethik Kompass zu etablieren, an dem sich andere orientieren können und den wir ungeachtet freundschaftlicher Beziehungen zu anderen innerhalb der Szene auch einhalten. Ich werde von den Eindrücken dieses Wochenendes noch eine Weile zehren, fand viel Bestätigung in unserer eigenen Art einen Space zu führen und konnte positive Dinge für uns mitnehmen. Solltet ihr mit dem Gedanken spielen, dass Karada House einmal zu besuchen/ einen Workshop dort zu besuchen, TUT ES.
von Fushicho 15. Januar 2024
Basic Infos für alle Menschen, die mit dem Fesseln beginnen von Seilmaterialien über Verletzungspotentiale und Konsens Kultur.
von Lecia Fushicho 11. November 2023
Muganawa - Vollkommen präsent im Moment sein und ohne Ziel und ohne festes Bild fesseln
von Fushicho 27. Juni 2023
Keines dieses Tools ersetzt eine Beratung / Therapie. Es kann zu Anwendungsfehlern kommen, wenn die Übungen ohne professionelle Anleitung durchgeführt werden. https://sexualtherapie-beziehungstherapie.de/uebungen/ BodyScan / Orgastische Welle / Orgasmic Yoga https://www.sexmedpedia.com/sensate-focus-uebungen/ https://www.beziehungsdynamik.de/uebungen/sensate-focus/ Sensate Fokus Übung https://happylibido.org/sexualtherapie-uebungen/ Sexuelle Erregungskurve, Erregungsreise / Öffnung Der Ursprung der Welt von Liv Strömquist https://www.avant-verlag.de/comics/der-ursprung-der-welt/ Come as you are https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1058704673 Liebe deine Vulva https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1053040431 Vulvina Malbuch https://www.amazon.de/Vulvina-Coloring-Book-Natacha-Colin/dp/3910590004 The Vulva Gallery https://www.thevulvagallery.com/webshop/vulvacat-variety Penis Malbuch https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1046486034 Slut-Shaming, Whorephobia, and the Unfinished Sexual Revolution https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1059557085 How To Be A Confident Hoe... Because slut shaming Is Over https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1047465118 Sakral Chakra Meditation zur Unterstützung im Auflösen von Blockaden https://femininevibe.podigee.io/b31-geleitete-meditation-sexuelle-blockaden-aufloesen Yoni und Lingam Massage (die Massage der Genitalien) z.B. in Form von "Handarbeitsabenden" die regelmäßig angeboten werden Check-In mit deinem Genital https://spuervertrauen.de/check-in-genital/ Übungen zur bewussten Körperwahrnehmung und zum In-Kontakt-Kommen mit deinem Genital https://spuervertrauen.de/gratis-uebung-meditation-sexualitaet/ Vaginismus https://de.wikipedia.org/wiki/Vaginismus Ganz viele tolle kurze Veröffentlichungen jenseits des binären Geschlechtersystems: https://www.transfabel.de/index.php?main_page=index&cPath=61_28
von Fushicho 27. Juni 2023
Zu alt, zu arm, zu queer, nicht queer genug – auch wenn Lesben, Schwule, bisexuelle, trans* oder inter* Menschen unter sich sind, fühlen sich nicht alle gleichermaßen willkommen und respektiert. Victoria spricht in diesem Podcast über ihre Erfahrungen innerhalb der queren Community, über schwarz sein und Tokenism, über Pansexualität und Sexualisiert werden, über Polyamorie und Slut-Shaming. Über White Passing und darüber, dass Schwarz keine Farbe ist. Vor allem aber darüber, dass ALLE Menschen lernen sollten einander zuzuhören, in einen echten Dialog miteinander zu gehen, voneinander zu lernen, übereinander zu lernen und niemand jemals "perfekt anti-diskriminierend" sein wird.
von Fushicho 7. Februar 2023
Mit anderen Frauen Sex haben ist völlig okay, aber mit einem anderen Penis nicht? Warum das ziemlich unlogisch ist erklären wir dir hier im Beitrag zur One Penis Policy.
von Fushicho 7. Februar 2023
Was macht Sexualität aus und was macht Intimität aus? Oftmals wird in einer Beziehung vorausgesetzt, das klar ist wie der gemeinsame Sex oder die gemeinsame Intimität aussehen. Meistens lohnt es sich darüber zu sprechen!
von Fushicho 7. Februar 2023
Eifersucht in offener oder polyamorer Beziehung ist ganz normal. Sie ist ein Gefühl wie jedes andere auch und möchte dir etwas über deine Ängste und Bedürfnisse mitteilen.
von Fushicho / Sexualberatung 27. Januar 2022
Theoretisch haben wir alle in der Schule gelernt, dass es sexuell übertragbare Krankheiten gibt, welche das sind und wie man sich schützen kann. Ja. Theoretisch. Mehrheitlich waren diese Unterrichts-Situationen doch eher unangenehm, man war froh, wenn das Thema durch war und dachte sich: 1.) Wird mir schon nicht passieren ich bin ja informiert 2.) Wenn ich darauf achte Kondome zu nutzen, geht es schon gut 3.) Das betrifft ja nur Leute, die rumhuren Zu 1.: Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat 2016 die " Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen “ vorgestellt. Im Rahmen dieser Strategie wurde eine Umfrage zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland (GeSiD) unter knapp 5.000 Teilnehmern zwischen 18 und 75 Jahren durchgeführt. Ein Teil dieser Studie beschäftigt sich mit der Bekanntheit verschiedener sexuell übertragbaren Infektionen. HIV/AIDS war mit Abstand die bekannteste STI (71 Prozent). Danach folgt mit knapp 40 Prozent Gonorrhö (auch Tripper genannt) und mit gut 30 Prozent Syphilis. Etwa jedem zehnten Deutschen sind Chlamydien, Genitalherpes und Hepatitis B als Geschlechtskrankheiten geläufig. Seltener wurden Genitalwarzen, Filzläuse und Trichomonaden genannt. Vergleichen wir diese Ergebnisse mit den häufigsten Geschlechtskrankheiten Deutschlands: Chlamydien Trichomonas vaginalis Gonokokken /Gonorrhö (Tripper) Sowohl Chalmydien, als auch die Trichomonaden sind nur mindestens jedem zehnten Deutschen geläufig. Das ist ein Missverhältnis zwischen Häufigkeit und Bekanntheit. Zu 2.: Kondome schützen sicherlich vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten. Allerdings können die Erreger auch über den Mund und die Hände übertragen werden, wenn diese Kontakt mit Genitalien haben. Der Blowjob gehört zu den zweit-beliebtesten Sexualpraktiken, wird aber nur in sehr seltenen Fällen mit einem Kondom praktiziert. Dass es für Oralsex an der Frau auch "Kondome" gibt, sogenannte Lecktücher (alternativ funktionieren auch aufgeschnittene Gummihandschuhe/ Frischhaltefolie) ist nur wenigen bekannt. Sich alleinig auf das Verwenden von Kondomen bei penetrativem Sex zu verlassen ist also keine gute Idee. Zu 3.: Das ist eine extrem Vorurteils-Behaftete Vorstellung. Geschlechtskrankheiten haben nichts damit zu tun "rumzuhuren" und dieser Begriff assoziiert, dass Huren (SexarbeiterINNEN, Prostituierte) grundsätzlich "schmutzig" und mit einem Risiko sich zu infizieren versehen wären. Das ist ein Stigma. Und es entspricht keiner Realität. Jeder Mensch, der Sex hat, kann sich auch mit einer sexuell übertragbaren Krankheit infizieren. Punkt. That's it. Genauso, wie jeder Mensch eine Magen-Darm-Grippe, oder eine Erkältung bekommen kann. Viren/Bakterien machen uns krank. Und in der Regel ist das ganze behandelbar. Wir sollten also dringend normalisieren, dass sexuell übertragbare Krankheiten weder selten, noch schmutzig, noch Zeichen von "Rumhurerei" sind.
von Fushicho / Paarberatung 23. Januar 2022
Ein häufiges Thema in meinen Beratungen ist, dass Paare berichten die verschiedenen Ebenen, die sie miteinander teilen, also zum Beispiel Eltern sein, Liebende sein, Sexualpartner sein nicht zufriedenstellend leben können. Oft dominiert vor allem eine funktionale Ebene und andere sinnlichere Ebenen geraten in den Hintergrund, es entsteht ein Mangelgefühl und eventuell auch Frustration. Letztere vor allem dann häufig, wenn die sexuelle Ebene nicht mehr so präsent ist. Besonders eine BDSM-Ebene geht im Beziehungsalltag schnell unter. Irgendwie erscheint nie der richtige Zeitpunkt oder Kontext, um jetzt in die Rollen des Dominanten/ Submissiven zu schlüpfen. Hier empfehle ich Paaren oft, Rituale zu schaffen, die ihnen ermöglichen ihr individuelles Machtverhältnis zu spüren und erleben. Sei es das Anlegen eines Schmuckstückes, das Anleinen zur Nacht, die Servier-Reihenfolge beim Abendessen, ein Kaffee der gebracht wird, ein Knien Abends vor dem zu Bett gehen, und viel mehr was möglich wäre. Solche Rituale lassen sich i.d.R. in den Alltag einbauen und schaffen so Raum sich auch Abseits einer funktionalen Rolle zu erfahren. Hilfreich kann außerdem sein, zunächst einmal im Rahmen der Beratung auseinander zu dividieren, welche unterschiedlichen Rollen jeder jeweils überhaupt inne hat, was diese Rollen ausmacht und - im nächsten Schritt aber auch: Wie malt sich der Rolleninhaber diese Rolle aus, welche Rollenerwartungen werden aber auch an ihn gestellt. 

Dieser Abgleich von eigener Rollenvorstellung und den Rollenerwartungen des Partners führt meistens zu einem besseren Verständnis zwischen den Paaren und einer Erkenntnis, woher Konflikt-, und Streit-Dynamiken rühren. Im Anschluss daran lassen sich sowohl Wünsche und Bedürfnisse der Partner, als auch passende Situationen für die jeweiligen Rollen formulieren.
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